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Sitzt ein Blinder in der Kirchenbank …

Sitzt ein Blinder in der Kirchenbank und denkt: „Was werden die wohl über mich denken“:

Lesende Hände

Lesende Hände

Einige Wünsche und Informationen von blinden Menschen für den innerkirchlichen Dienstgebrauch:

  • Sie ahnen gar nicht, wie viel wir mit den Ohren sehen. Trauen Sie es uns doch einfach zu!
  • Unser Stock ist nicht nur ein Erkennungszeichen, er hilft zur Orientierung und zeigt uns Hindernisse an. Mancher Weg geht darum auch allein!
  • Ist Ihnen eigentlich bewußt, wie viel Sprache über das Auge geschieht? Schön, wenn Sie uns da hin und wieder (nicht immer und natürlich diskret) etwas “dolmetschen“, das ergänzt unsere eigenen Eindrücke.
  • Sprechen Sie uns doch auch bitte an, wenn Sie uns sehen und nehmen sich Zeit für ein paar Worte. Wir sitzen gar nicht so gern allein.
  • Übrigens, hantieren hat mehr mit den Händen als mit den Augen zu tun. Lassen Sie uns doch einfach mit unsere eigenen Dingen selbst umgehen. Oder möchten Sie, dass Ihnen ein anderer den Mantel zuknöpft und die Schnürsenkel bindet?
  • Begleiten ist gut, mitgehen ist besser! Das meint: Wenn Sie uns hinbringen, sind wir wenigstens da. Wenn Sie mitgehen, haben wir Gemeinschaft.
  • Wissen sollten Sie unbedingt, daß wir in der Regel weder bei unseren Eltern, noch in einem Heim leben, sondern einen eigenen Haushalt führen – wirklich führen, nicht geführt bekommen!
  • Aber freuen werden wir uns wohl immer über ein Angebot eines Spazierganges, eines Ausfluges, des Besuches einer Veranstaltung. Langstock und Taxi gleichen die große Einschränkung in der Beweglichkeit nicht aus.
  • Heilungen in der Kraft Gottes, auch der Augen, lesen wir in der Bibel. Und da wir glauben, dass Gott auch heute derselbe ist, möchten wir seine Wunder schon erleben, warum nicht an uns selbst?

Aber Gottes Wege und Pläne sind vielseitig. Seien Sie doch mit uns dafür offen!
Und wissen sie, es geht uns gar nicht immer um Antworten zu unserer Behinderung, sondern geistliches Wachsen, mit Jesus auf dem Weg bleiben und Ankommen am Ziel Gottes ist es, was uns vor allem interessiert, wenn wir denn schon in Kirchenbänken sitzen.

(Dagmar Brinkmann)


Die zehn Gebote der Barrierefreiheit

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR) veröffentlichte im Dezember 2011 zehn Gebote der Barrierefreiheit.

Das 1. Gebot:
Barrierefreiheit ist Grundlage der Umweltgestaltung für alle. Die Anforderungen behinderter Menschen und Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für alle brauchen Deine Aufmerksamkeit und Deinen Einsatz.

Das 2. Gebot:
Wohnen, Mobilität und Verkehr, Bildung. Denke daran, dass barrierefreie Gestaltung alle Bereiche betrifft: Bauen und Kultur, Arbeit, Erholung und Gesundheitswesen, Information, Kommunikation.

Das 3. Gebot:
Beachte, dass Barrierefreiheit für alle Menschen wichtig ist, insbesondere für Menschen mit motorischen, sensorischen oder mit kognitiven Beeinträchtigungen.

Das 4. Gebot:
Richte Deine Ziele daran aus, dass die Nutzungsobjekte von allen eigenständig wahrnehmbar, erreichbar, begreifbar (verständlich), erkennbar und bedienbar sind.

Das 5. Gebot:
Lasse Dich bei der Planung von fünf Maximen leiten: der ergonomischen Gestaltung, dem Fuß-und-Roll-Prinzip, dem Zwei-Sinne-Prinzip, der Verwendung visueller, akustischer und taktiler Kontraste sowie der Anwendung leichter Sprache.
(Anm. d. Redaktion: Nach dem Fuß-und-Roll-Prinzip müssen Bewegungsflächen zu Fuß und mit Rollstuhl oder Rollator problemlos genutzt werden können. Nach dem Zwei-Sinne-Prinzip müssen Informationen und Orientierungshilfen jeweils für zwei der Sinne Sehen, Hören und Tasten gegeben werden, damit sehgeschädigte und hörgeschädigte Menschen Zugang zu allen wichtigen Informationen erhalten.)

Das 6. Gebot:
Beteilige bei allen Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit frühzeitig behinderte Menschen oder ihre Vertreter. Dies dient dazu, sachgerechte Lösungen zu finden und fördert die Akzeptanz.

Das 7. Gebot:
Nutze die technischen Regelwerke, die Erkenntnisse der Forschung und die Erfahrungen der Praxis. Barrierefreiheit braucht Qualität.

Das 8. Gebot:
Stelle die objektive und subjektive Sicherheit für alle her. Wesentlich sind vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen. Ermögliche durch bauliche und organisatorische Maßnahmen, dass behinderte Menschen in die Lage versetzt werden, sich im Notfall selbst zu retten oder schnell fremde Hilfe zu aktivieren.

Das 9. Gebot:
Gehe die Erfüllung des Nachholbedarfs systematisch an, damit durch die Herstellung der Barrierefreiheit ein nachhaltiger Nutzen für alle entsteht.

Das 10. Gebot:
Denke an die Zukunft. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Bedeutung der Barrierefreiheit noch weiter zunehmen.

Quelle: RETINA aktuell • 1/2012 – 123


Internet barrierefrei

Barrierefrei Informieren – Kommunizieren

Der Begriff „barrierefrei“ wird mittlerweile inflationär benutzt. Barrierefreie Zugänge zu und in Gebäuden leuchten vielen ein. Weniger klar ist in der Öffentlichkeit, dass der Gesetzgeber mit „barrierefreiem Zugang“ auch die Literatur und den Informationsaustausch einschließt.

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Sehbehindertensonntag

Ich sehe so, wie Du nicht siehst

„Nicht sehend – nicht blind“ – sehbehinderte Menschen erleben sich in dieser Weise.

Der 6. Juni ist bundesweiter „Sehbehindertentag“. Im Jahr 2010 fiel er auf einen Sonntag.
Aus diesem kalendarischen Anlass initiierten der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV), der Dachverband der evangelischen Blinden- und Sehbehindertenseelsorge und die Arbeitsstelle Pastoral für Menschen mit Behinderung der deutschen Bischofskonferenz die Aktion „Sehbehindertensonntag“.

In verschiedenen Regionen der BSS Bayern Gottesdienste zum ausgerufenen „Sehbehindertensonntag“: in Augsburg, Schweinfurt, Roth, Nürnberg und München – hier sogar als ökumenischer Gottesdienst.
In der Reformations-Gedächtnis-Kirche in Nürnberg am Berliner Platz hieß es im Anklang an die Arie von Georg Friedrich Händel „Meine Seele hört im Sehen“: Herr Händel, bei uns nicht! Bei uns geht es anders: Wir Sehen im Hören!

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Anregungen

Blinde Menschen in der Klinik und im Altenheim

Sie sind angewiesen auf relativ einfache Hilfen. Eigentlich einfach getan, aber nur wenig Sehende stellen sich von Anfang an darauf ein. Personal und Besucher helfen blinden und sehbehinderten Menschen, wenn sie Folgendes beherzigen:

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